Vor einigen Tagen habe ich begonnen das wunderbare Buch ‚Der Weg des Künstlers‘ zu lesen. Mit der festen Absicht, dieses Buch erneut zu lesen und die vielen Wochen des Schreibens durchzuhalten.

Schreiben?

Ja, die Kernübung dieses Buches ist es, jeden Morgen nach dem Aufstehen 3 DinA4 Seiten voll zu schreiben. Einfach so. Aus dem Bauch. Oder aus dem Kopf. Oder wo auch immer die Gedanken, Gefühle und Eindrücke herkommen, die auf dem Papier landen.

Das Dranbleiben versagt.

Und zwar schon am zweiten Tag. Ich war einfach zu müde um früher aufzustehen. Und dann waren die Kinder früher wach und ich hatte keine Zeit zum Schreiben. Auch nicht, nachdem die Kinder in ihren Kindergruppen sind. Es sind einfach zu viele Dinge, die getan werden wollen. „Das ist jetzt wichtiger, als dieses alberne Morgenseitenschreiben.“ sagt eine Stimme in mir. „Und das mit diesen Seiten bringt eh nichts“, eine weitere Stimme. „Und außerdem hast du eine Sauklaue.“ Noch eine Stimme. „Du hältst das eh nicht durch“. Eine Weitere. Und es scheinen immer mehr zu werden. Ein ganzes Orchester an Stimmen in mir.

Dann halt nicht. Ist auch nicht so schlimm. Ein netter Versuch. Beim nächsten Mal.

Kennst du das?

Ich meine die vielen Stimmen. Und diese vielen anderen Dinge, die wichtiger sind. Und das Abbrechen eines guten Vorsatzes. So fängt das Jahr gleich gut an. Mit einem schlechten Vorsatz. Äh, mit einem Guten. Er wird dann schlecht, weil wir uns nicht dran halten. Gehen vielleicht ein oder zwei Mal zum Yoga. Oder Joggen. Und dann wird es zu kalt. Zumindest geht es mir so. Immer wieder. Wenn ich denke ich muss mich jetzt an diesen Vorsatz halten. Wie aus einem inneren Zwang heraus. Mit großer Anstrengung. Wenn ich mir etwas vornehme. Weil ich denke ich müsste. Oder eine Stimme in meinem Kopf es denkt. „Es wäre doch gut, wenn du diese Morgenseiten schreibst, dann kommst du vielleicht wieder ins Schreiben“.

Und so versagt das Dranbleiben doch nicht. Denn diese Zeilen, die ich gerade schreibe, schreibe ich am Abend des zweiten Tages meiner Morgenseiten. Und ich freue mich wie ein Schneekönig. Die Worte fließen einfach aus mir heraus.

Und warum?

 

Der Impuls führt

Eine meiner Lieblingsübungen seit Wochen und Monaten ist die Folgende:

Lege dich für 3 Jahre auf den Boden und warte, bis du den Impuls hast ohne Grund aufzustehen. Wie jetzt, 3 Jahre? Ja, das ist die Vorgabe der Übung :). Und es funktioniert wunderbar. Um wirklich einen echten Impuls wahrzunehmen.

Was ist denn jetzt eigentlich ein Impuls?

Lateinisch  „im pellere“ beteutet in Bewegung setzen.

Also ein inneres In-Bewegung-Setzen.

Und das Wunderbare an dieser Übung ist, dass einem zunächst 1000 Gründe einfallen, weshalb man aufstehen müsste oder könnte. Durst, Hunger, eine lange To-do-Liste etc. Später wird es vielleicht ungemütlich oder es tauchen Gedanken auf, wie unsinnig die Übung sei und man sie deshalb abbrechen solle. Welcher Grund sich auch immer zeigt. Erst wenn alle Gründe verschwunden sind, steh auf. Oder irgendwann zwischen den Gründen 😃

Ich kenne dieses Impuls-Gefühl sehr gut aus dem Yoga. Am Ende der Shavasana-Stellung stehe ich immer aus dem Impuls auf. Ich warte so lange, bis ich den Impuls verspüre aufzustehen. Ohne Grund. Natürlich könnte der Grund sein nicht einzuschlafen oder aufzustehen, weil alle aufstehen. Manchmal ist das so. Und das Schöne ist die Fähigkeit, den Grund vom Impuls zu unterscheiden.

 

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.

Victor E. Frankl

 

Und dieser Raum zwischen Reiz und Reaktion ist die Stille. Und nun könnte man denken, dass damit die Gedankenstille als reine Abwesenheit von Gedanken gemeint ist. Also der schweigende Monkey Mind oder das gezähmte Pferd. Doch dem ist nicht so. Meine Wahrnehmung von Stille ist eine andere.

 

Die Stille kommt aus dem Körper

Sie ist wie Musik in meinen Ohren. Vielmehr in meinem Herzen. Wenn das so ist, bin ich ganz mit mir verbunden. In mir selbst präsent.

Und dann sind da diese lauten Gedanken im Kopf. Oder diese Unruhe im Körper. Eine Gefühlsduselei.

Es gibt einen Weg, weg von den Gedanken und diesen Phänomenen in uns. Und es  ist weniger ein Weg, der von ihnen wegführt. Es ist vielmehr ein Eintauchen. Wie ein Eintauchen in einen stillen See. An einem lauen Sommertag. Umgeben von Sonne und Natur.

 

„Die Stille der Nacht oder des Waldes kann der Seele ein Hilfsmittel sein, in ihre eigenen Tiefen hineinzulachen.“

Friedrich Lienhard (deutscher Schriftsteller)

 

Diese Stille findest du in deinem Körper. Wobei ich nicht weiß, wo genau du sie dort findest. Du findest sie auf deine Art und Weise. Wie? Indem du nach ihr fragst und dann ganz still bist, um ihr zu lauschen.

Und aus dieser Stille kommt der Impuls. Auch der Impuls zu schreiben. Und seit einer Woche schreibe ich. Morgens. Zwischendurch. Neue Ideen für Blogartikel entstehen. Und ich tauche ein. In die Stille in mir.

Diese Stille ist auch die Quelle der Intuition.

Zumindest ist das meine intuitive Wahrnehmung, dass sie dort entspringt 😃

Und da ist auch Freude.

Und Dankbarkeit.

Und so viel Kraft.

 

In der Stille liegt die Kraft. 🙂

 

Auch deine Kraft.

 

Deine Essenz.

Deine Gabe.

Deine Bestimmung.

Deine Genialität.

 

Aus der Stille werden die wahrhaft großen Dinge geboren.

Thomas Carlyle (Schottischer Philosoph)

 

Lausche dem Klang der Stille

 

 

Stille-Bestimmungs-Grüße

 

Holger

 

 

 

 

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