„Bei gleicher Umgebung lebt doch jeder in einer anderen Welt.“

Arthur Schopenhauer

 

Die Gewohnheitsbrille

 
Unsere Annahmen über die Welt wurden schon in der frühen Kindheit geprägt. Anhand dieser Muster und vielleicht veralteten Daten betrachten wir unser Leben und unsere Umgebung immer noch. Vieles ist selbstverständlich und geschieht automatisch – aus Gewohnheit. Das ist überaus praktisch und erleichtert Leben und Business sehr. Das ‚Runterladen’ von bereits vorhandenem Wissen geschieht automatisch und rasend schnell.

 

Es findet ein ständiges Bewerten statt. Wir setzten uns in Beziehung zu unserer Umwelt.

 

  • Ist das besser/schlechter als …?
  • größer/kleiner als …?
  • Sieht er/sie schöner aus als …?
  • Fährt jener schneller/langsamer als …?
  • Ist das billiger/teurer als …?

 

Tausende von Bewertungsschritten begleiten uns am Tag. Wir konstruieren uns dadurch unsere eigene Wirklichkeit.

 

Im Alltag bemerken wir diese persönliche Wirklichkeitsbrille kaum. Sie begrenzt und prägt unsere Wahrnehmung. Sie ist uns während unseres Lebens, unserer Sozialisation gewissermaßen in „Fleisch und Blut“ übergegangen. Ein schnelles Ein- und Abschätzen schafft uns vermeintliche Sicherheit.

 

Jedoch sind diese eigenen Glaubenssätze, Interpretationen und Annahmen höchst individuell – und prallen auf die unserer Mitmenschen. Sie liefern den Zündstoff für Missverständnisse und Konflikte.

 

Das folgende Beispiel von Paul Watzlawick aus seiner Anleitung zum Unglücklichsein verdeutlicht es:

 

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und sich den Hammer auszuborgen.

 

Doch da kommt ihm ein Zweifel: „Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich.“

 

Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor dieser „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“

 

Wie kommt es nun dazu? Die Leiter der Schlussfolgerungen

 

Dieses Modell wurde von Chris Argyris, einem Professor an der Harvard University, entwickelt. Es versucht zu erklären, wieso die gleiche Situation von verschiedenen Personen oft unterschiedlich wahrgenommen wird und gleiche Fakten zu unterschiedlichen Schlüssen führen können.

 

Immer, wenn wir in der Welt um uns herum etwas wahrnehmen, spult unser Gehirn nach diesem Modell innerhalb von Millisekunden sieben Schritte ab. Wir bekommen davon meistens nicht viel mit.

 

Diese Leiter führt zu Überzeugungen, Annahmen und Schlussfolgerungen, die nicht auf einer rein sachlichen Beobachtung und auf Fakten beruhen, sondern interpretiert werden. Dadurch schafft sich jeder Mensch mehr oder weniger seine eigene Realität und seine selektive Wahrnehmung. Wir sind in unseren Mustern ‚gefangen’.

 

Die 7 Schritte der ‚ladder of inference‘

 

  1. Wahrnehmung: Dein Gehirn erhält über die Sinneskanäle eine Abbildung der Realität.Im Beispiel von Watzlawick sind das die Fakten: Bild, Nagel, Hammer, Nachbar.

 

  1. Filter/Selektion: Auf der Basis früherer Erfahrungen und deiner Einstellungen wird ein (großer) Teil dieser Daten verworfen, andere werden dafür in den Vordergrund gestellt.„Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig.“

 

  1. Interpretation: Dein Gehirn interpretiert die gefilterten Informationen im Rahmen kulturell und individuell geprägter Regeln, um das Wahrgenommene zu verstehen und einschätzen zu können, was es bedeutet.„Vielleicht war er in Eile. Vielleicht war die Eile nur vorgeschützt …“

 

  1. Beurteilung: Nun beginnst du Annahmen auf der Grundlage deiner Interpretation zu entwickeln. Du erzählst dir Geschichten, um das Wahrgenommene in einen für dich schlüssigen und verstehbaren Zusammenhang zu betten – die „Fakten“ werden immer mehr um Fantasie ergänzt.„… und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein.“

 

  1. Schlussfolgerung: Basierend auf der Geschichte, die du nun entwickelt hast, kommst du zu Schlussfolgerungen, evtl. begleitet von emotionalen Reaktionen.„Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen?“

 

  1. Überzeugungsbildung: Deine Einstellung und dein Urteil über die Situation formt sich und dies hältst du natürlich, wie alles andere vorher auch, für wahr.„Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich.“

 

  1. Handlung: Basierend auf dem Vorherigen triffst du eine Entscheidung und wirst tätig – typischerweise mit dem starken Gefühl, im Recht zu sein.Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor dieser „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“

 

Die Lösung: wertfreies Schauen

 

Eine Möglichkeit, um achtsam zu sein, ist es, inne zu halten und einfach zu beobachten. Ohne das, was geschieht, zu bewerten. Eine Situation so zu sehen, wie sie ist, ohne jede Beurteilung, schafft dir neuen Freiraum. Dieser ist eine gute Basis für Entscheidungen, z. B. über den weiteren Verlauf von Kundenbeziehungen.

 

Die Kunst ist es, wahrzunehmen, wenn wir abdriften und doch wieder bewerten, eine Pause einzulegen und zurückzukommen zur Neutralität. So können wir wunderbar entscheiden, ob unser Verhalten oder unsere Handlung angemessen ist.

 

Die Lösung liegt darin, deine Annahmen für dich selbst offenzulegen, sie in der Schwebe zu halten und wertfrei in ein Gespräch oder in die Selbstreflexion zu gehen.

 

Wertfreiheit, wie geht das?

 

„Nicht das Problem macht die Schwierigkeiten, sondern unsere Sichtweise.“

Victor Frankl

 

Es ist eine verbreitete Reaktion des Kopfes, die Dinge in „gut“ oder „schlecht“, „richtig“ oder „falsch“ einzuordnen. Es geht darum, auftauchende Gedanken zur Kenntnis zu nehmen und zu beobachten, ohne zwangsläufig danach handeln zu müssen.

 

Wertfreiheit in der Meditation: In der Meditation geht es darum zu erkennen, dass Wertfreiheit deinen Horizont erweitert und dich von unbewussten Entscheidungen befreit.

Dem „inneren Datenstrom“ gegenüber kritisch zu sein: „Woher weiß ich, was ich zu wissen glaube? Wie steht es tatsächlich um die Objektivität meiner Informationen?“ und damit für dich selbst neue Wege der Wahlmöglichkeiten und Handlungen zu erschließen.

 

Werde dir deines Denkens und deiner Schlussfolgerungen bewusst – z. B. durch Reflexion. Das bedeutet, halte ab und zu mal inne und frage dich, wie du nun gerade auf diese oder jene Bedeutung oder Schlussfolgerung gekommen bist.

 

Wertfreiheit im Dialog: Individuelle Glaubenssätze, Interpretationen und Annahmen liefern den Zündstoff für endlose Missverständnisse und Konflikte. Wenn wir im Dialog unsere Annahmen und Bewertungen offen legen oder zurückhalten lernen, können wir unsere Sichtweisen erweitern und es ergeben sich neue Handlungsmöglichkeiten.

 

Habe ich in Gesprächssituationen eine „innere Achtsamkeit“ gegenüber meinen Bewertungskriterien? Finde ich genügend Distanz zu meinen eigenen Gedanken/Annahmen, um sie auch kritisch hinterfragen zu können?

 

Mache dein Denken und Schlussfolgern für andere transparenter. Das bedeutet, anderen Menschen zu erläutern, wie du zu dieser oder jener Bedeutung oder Schlussfolgerung gekommen bist.

 

Erkunde das Denken und Schlussfolgern anderer Menschen. Das bedeutet, andere Menschen voller Wertfreiheit zu fragen, wie sie zu ihren Folgerungen gekommen sind.

 

Dann führt ein Nicht-Bewerten zur inneren Freiheit und damit zu Freiraum in der Begegnung mit Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern.

 

„Jede Bewegung, jeder Gedanke und jede Wahrnehmung, die dir bewusst wird, hat eine völlig neue Struktur, die es so vorher noch nie gegeben hat und auch nie wieder geben wird. Diese Selbstorganisationskräfte sind ständig präsent und immer verfügbar, wenn wir sie nicht im Stress blockieren“, schreibt Dietmar Hansch in seinem Buch Persönlichkeit führt.

 

Von all diesen Vorgängen bekommen wir jedoch nicht viel mit. Sie spielen sich unbewusst ab. Wir verfügen also über ein Vielfaches an Potenzial. Doch wie erreichen wir dieses?

 

Die Antwort erfährst du in meinem Artikel: Werde frei im Kopf

 

Wertfreie Grüße

Holger HagenHolger 🙂

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