Die neugierige Haltung

Eine Frage des Nichtwissens

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, lautet ein bekanntes Zitat von Platon. Ich würde es um die zwei Sätze ergänzen: „Ich weiß, was ich weiß“ und „Ich weiß nicht, was ich nicht weiß.“. Es gibt noch so viele Dinge, von deren Existenz wir noch nicht einmal wissen.

 

Rudolf Bleicher schreibt in seinem Buch „Der türkise Unternehmer“ folgendes:

„Wir verhalten uns aber in der Führung unserer Unternehmen so, als wenn wir das allermeiste bereits wüssten. Wir erfinden immer mehr Werkzeuge und Methoden, um alles bestmöglich in den Griff zu bekommen. Dieses zwanghafte „In den Griff bekommen“ hindert uns aber daran, dem Leben oder unserer Seele die Möglichkeit zu geben, wirklich die Dinge in unser Leben treten zu lassen, die am besten für uns sind.“

 

Wie geben wir dem Leben die Möglichkeit, wirklich die Dinge in unser Leben treten zu lassen, die am besten für uns sind?

Was können wir also tun, um uns selbst weniger im Weg zu stehen?

 

Die unverdorbene Neugier des Narren führt dich zu neuen Perspektiven:

Der Narr ist neugierig. Und gerade diese Neu-Gier, diese Gier nach neuen, ungewöhnlichen Dingen macht ihn so wertvoll. Er ist Impulsgeber, der nicht zuerst darüber nachdenkt, warum etwas „nicht geht“ oder wir „keine Zeit zum Joggen haben“. Er versucht nicht, die Dinge in den Griff zu bekommen. Er will Neues ins Leben fließen lassen.

 

„Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“

(Albert Einstein)

 

Deine neugierige Haltung in der Meditation:

Um die Impulse des Lebens in uns wahrzunehmen, benötigen wir Stille. Dabei geht es weniger darum, die Gedanken auszuschalten, sondern vielmehr darum, sie vorüberziehen zu lassen. Sie neugierig zu beobachten. Aus der Stille heraus. Und während wir sie beobachten, sehen wir viel deutlicher, welche Gedanken wertvoll sind und welche wir einfach gehen lassen können. Nehmen deutlicher die Impulse wahr, die uns weiter und neue Erfahrungen bringen.

 

Wie du solch eine neugierige Stille in dir erzeugst, kannst du in der Stille-Meditation erfahren: Du findest sie am Ende des Textes.

 

Während in der Meditation die Stille der Schlüssel zu neuen Eindrücken und Perspektiven ist, helfen im Dialog aufrichtige Fragen weiter.

 

Die neugierige Haltung im Dialog:

„Viele erleben im Dialog, wie wichtig es sein kann, eine einfache, aufrichtige Frage zu stellen. (…] Die einfache Aussage: ‚Ich weiß nicht – aber ich möchte gern etwas darüber erfahren.‘ – in einer Haltung von Neugierde, Achtsamkeit und Bescheidenheit – (…) kann optimale Lernmöglichkeiten eröffnen. (…) Wenn ich im Dialog in der Lage bin, meine Rolle als Wissender aufzugeben für das Interesse an dem, was anders ist, als ich es bereits kenne, kann ich ‚unschuldige‘ Fragen stellen, aus dem Bedürfnis heraus, etwas wirklich zu verstehen.“

(Hartkemeyer/Dhority, Miteinander denken – Das Geheimnis des Dialogs)

 

In den folgenden drei Tipps erfährst du, wie du eine neugierige Haltung im Dialog einnimmst und unschuldige, einfache und aufrichtige Fragen stellst. Man könnte es auch „urteilsloses“ Fragen nennen.

 

 

1) Fühle dich ein.

Wenn du nicht weißt, wie es deinem Gesprächspartner geht, was ihn bewegt und antreibt, dann begib dich durch Fragen neugierig in seine Welt hinein. Das ist der Beginn einer spannenden Reise zu neuen Entdeckungen und Erkenntnissen.

 

„Ich bemühe mich darum, die Welt aus der Perspektive des anderen zu betrachten und zu versuchen, vollkommen in die Rolle des anderen zu schlüpfen – mit all seinen Vorgeschichten und Schicksalen.

Wenn dies alle am Dialog Beteiligten tun, können sie von dem sprechen, was sie wirklich bewegt. Durch das Teilhaben am Wesen der anderen entsteht eine ungeheure Kreativität. Eine Kraft, die Neues schafft.“

 

Das ist ein Ausschnitt aus meinem Artikel: Warum dich Empathie im Business weiterbringt Neugierig? Lies den ganzen Artikel unter folgendem Link.

 

2) Stelle aufrichtige Fragen.

Mit echtem Interesse. Frage etwas, was dich wirklich interessiert. Wenn du beispielsweise die Frage: „Wie geht´s dir?“ nicht als Floskel benutzt, sondern sie auch ernst meinst, weil es dich wirklich interessiert, stutzt du auch nicht, wenn jemand sagt: „Gerade nicht so gut.“ Du öffnest dadurch vielmehr eine völlig andere Ebene der Begegnung und ermöglichst dir einen echten Zugang zu deinem Gegenüber.

 

3) Lasse deine Vorstellungen los.

Vielleicht hast du aber auch eine Vorstellung davon, wie es deinem Gesprächspartner geht. Und machst dir Gedanken darüber, was du sagst, falls es ihm oder ihr nicht gut geht. Wenn du dich davon löst, dass du eine passende Antwort auf die Reaktion deines Gegenübers parat haben musst, kommst du in eine erwartungslose Haltung. In dieser werden deine Neugierde, Achtsamkeit und Bescheidenheit spürbar. Du bist offen. So entsteht eine neue, förderliche Qualität des Dialogs.

 

Durch die neugierige Haltung erweiterst du allgemein deinen Horizont – im Dialog speziell deinen inneren Wahrnehmungshorizont: Du erhältst den klaren Blick auf das Wesentliche und entdeckst eine bisher unbekannte Form der Begegnung, in der etwas Neues möglich ist. Daraus entwickeln sich andere, als die dir bekannten Perspektiven für die Gestaltung deiner Zukunft. Du kannst entdecken, was alles möglich ist hinter dem großen Berg deines bisherigen Wissens.

 

Und nun deine Neugier-Stille Meditation

Sie läuft insgesamt sieben Minuten. Für etwa zwei Minuten führe ich dich über den Atem in die Stille. Danach kannst du diese für fünf Minuten genießen. Ein Gong holt dich wieder zurück in die Gegenwart. Auf geht´s.

 

Neugierige Grüße

Holger HagenHolger 🙂

 

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Holger Hagen

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